Was macht Corona mit unserer Gesellschaft?

Vor wenigen Tagen habe ich den offenen Brief unseres Staatstheaters gelesen, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Der Brief ist an sein Publikum gerichtet und damit auch an mich. Auch beruflich fühle ich mich angesprochen, denn als Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landtags Rheinland-Pfalz sind mir alle kulturellen Einrichtungen, die von Landesmitteln gefördert werden, ein Anliegen. Dieser Brief mahnt zurecht an, was gerade passiert: Die Kultur muss ihre Pforten auf bestimmte Zeit schließen. Damit entfallen hunderte von Räumen und zahlreiche Gelegenheiten in unserer Stadt und in unserem Land, die dem einen als Arbeitsplatz, der anderen als gelungene Abwechslung, Ventil oder Zerstreuung und uns allen als gesellschaftlicher Zusammenhalt dienen. Malu Dreyer hat aber heute in ihrer Regierungserklärung den Wert der Kultur auf den Punkt gebracht: „[Die] Kultur ist keine Branche wie jede andere. Denn ihre Beiträge zur kritischen Debatte, ihre Ermutigungen Dinge anders zu sehen, gehören zum Wesen unserer demokratischen Öffentlichkeit.“

Corona geht mir gehörig auf die Nerven und ich würde mir vieles anders wünschen. Das sage ich nicht nur als Kulturpolitiker, sondern auch als Kulturliebhaber und gelegentlicher Laiendarsteller. Die Mehrheit der Kultureinrichtungen hat über den Sommer hinweg gute Hygienekonzepte vorgelegt und vorgelebt. Das Problem, das wir jetzt mit der steigenden Inzidenz haben, kann jedoch aus meiner Sicht derzeit nicht mit diesen Konzepten in den Griff bekommen werden. Das fängt beim Davor an: Wie stellen wir sicher, dass sich die Menschen nicht schon auf dem Weg ins Theater infizieren? Das geht beim Dabei weiter: Wie gewährleisten wir, dass sich die Menschen in engen und nicht gut durchlüftbaren Räumen, z.B. auf den Toiletten, nicht anstecken? Das hört beim Danach auf: Wie sorgen wir dafür, dass die Menschen sich danach nicht größeren Gruppen zusammenfinden, um gesellig das Theaterstück nachzubesprechen? Diese Fragen sind umso schwerer zu beantworten, je höher die tägliche Fallzahl und damit das Ausbreitungspotential des Virus ist. Das Virus lebt und schlägt nun mal dort am besten zu, wo zahlreich soziale Interaktionen stattfinden.

Wir alle sind soziale Wesen und deshalb schmerzen auch mich die Maßnahmen. Trotzdem kann ich sie mittragen, weil ich möchte, dass wir alle gesund aus dieser Pandemie kommen und wir uns dann wieder als Gesellschaft versammeln können. Die neuesten Nachrichtenmeldungen zur Entwicklung eines Impfstoffes geben hierbei Grund zur Hoffnung auf ein baldiges Ende der aktuellen Maßnahmen. Auch die Ankündigung von Malu Dreyer sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass Kulturschaffende nicht nur im November finanzielle Unterstützungen bekommen sollen, hilft dabei.
Wenn Lockerungen wieder möglich werden, lasst uns wieder mit Vorsicht kulturelle Veranstaltungen besuchen. Und wenn das Ganze vorbei ist, dann auch ganz unbeschwert. Bis dahin müssen wir auf Formate wie Online-Konzerte zurückgreifen.
Lasst uns das gemeinsam machen, neue Wege finden und vor allem im Gespräch bleiben!

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